Mittwoch, 19. Juni 2013

Off-Topic: Planetary Annihilation und die dunkle Seite Kickstarters

Dieser Post hat nichts mit EVE zu tun, so viel sei vorweg gesagt. Es geht hier vielmehr um das Spiel Planetary Annihilation, ein Echtzeit-Strategiespiel, welches momentan von Uber Entertainment entwickelt wird. Und über die geradezu monumentale Inkompetenz von Uber Entertainment.


Zunächst einmal eine kurze Einleitung, was Planetary Annihilation eigentlich ist. Es handelt sich wie Eingangs erwähnt um ein Echtzeit-Strategiespiel, jedoch nicht um Fingerübungen wie Star- oder WarCraft, sondern und waschechte Makrostrategie im Stile von Total Annihilation oder Supreme Commander, deren Fanbase sich durchaus mit der von EVE überschneidet. Ich selbst bin damals™ über "SupCom" nach EVE gekommen. Und in "PA" kann man nebenbei noch Asteroiden auf Planeten schießen. Was kann da noch schieflaufen?

Jede Menge kann da noch schieflaufen, man sollte schließlich niemals die Inkompetenz so mancher Marketing-Abteilung unterschätzen. EVE-Spieler kennen das ja noch aus dem Sommer 2011. Aber was hat Uber Entertainment nun genau verbrochen?

Sie haben die Alpha des Spiels auf Steam released!
Man werfe einen Blick auf den Preis. Ihr seht richtig, Uber Entertainment möchte gerne 83€. Für eine Alpha. Die Reaktion auf diese Preispolitik dürfte wohl nicht allzu schwer zu erraten sein. Der Thread in den Steam-Foren ist 6 Tage nach Release bei knapp 3000 Einträgen. Natürlich hat Uber Entertainment recht schnell eine Rechtfertigung bereit gehabt. Sie begründen den Preis damit, dass 83€ die durchschnittliche Summe gewesen sei, die ein Backer auf Kickstarter bereitgestellt hat

Dies bringt Uber in eine sehr prekäre Lage. Die Kickstarter-Kampagne ist noch nicht allzu lange her, daher können sie nicht einfach die  Alpha auf Steam für einen günstigeren Preis anbieten. Andererseits brauchen sie wohl die Einnahmen aus der Early Acess-Aktion, um die Entwicklung des Spiels zu finanzieren. Die Kickstarter-Aktion hat 2.229.344$ eingebracht, ein Betrag der bei weitem nicht ausreicht, ein solches Spiel zu entwickeln. Nun gibt man Kickstarter-Backern aber das (teils durchaus berechtigte) Gefühl, dass das Spiel entwickelt wird, weil sie Geld investiert haben. Nun generieren Kickstarter-Kampagnen aber bei weitem nicht genug Geld, um ein Spiel vollständig zu finanzieren und werden durchaus dafür verwendet, größere Investoren von der Rentabilität eines Produkts zu überzeugen. Bei Spielen handelt es sich dabei natürlich vor allem um Publisher. Da Uber seine Spiele aber selbst released, kommt sowas für sie nicht in Frage. Und wenn ich mir die auf dem PC agierenden Publisher angucke bin ich darüber sehr froh. Nun erzeugt das für den Entwickler aber das Problem der dauerhaften Finanzierung, Büromieten und Personalkosten und professionelle Tools verschlingen eine Menge Geld.

Nun hat sich Uber aber von der "Kickstarter-Crowd" abhängig gemacht, die sie sicher nicht verärgern wollen. Immerhin haben sie ihnen das Spiel bisher finanziert. Aber hätte man das ganze vermeiden können? Ja. Niemand hat Uber dazu gezwungen, den Alpha-Acess an eine bestimmte Geldsumme zu binden, und Alpha/Beta-Zugang einfach für alle Backer freizuschalten. Zugegeben, Steam hat Early Acess erst im März 2013, also nach Ablauf der Kickstarter-Kampagne, gestartet. Man könnte also einfach von "schlechtem Timing" sprechen. Aber: Warum kommt Uber eigentlich auf die Idee, den Alpha/Beta-Zugang auf Kickstarter zu verkaufen? Arbeiten die Spieler genau genommen während einer Alpha/Beta nicht für den Entwickler und sollte Alpha/Beta-Zugang dann nicht weniger kosten als der Preis zum Release (siehe z.B. Minecraft, desser Preis zu Release hin angehoben wurde)? Blöderweise kann man sowas auf Kickstarter nicht machen, da man so ja "mehr" Produkt für weniger Geld verkaufen würde, was zu jener negativen Preisentwicklung zum Release hin führt. Zudem führt das "Tieren" der Leistungen an die Backer in Abhängigkeit der gespendeten Summe zu einer Bildung mehrer "Klassen" von Kunden, wer mehr bezahlt kriegt auch mehr. Dies mag im Kickstarter-Mikrokosmos zwar noch Sinn machen, kann darüber hinaus aber zu Problemen werden. Vielleicht wird aus Pay2Win irgendwann einmal Back2Win.

So long,

Klingon Admiral

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Hmmm interessanter Rant, aus dem eines nicht ganz klar wird. Was hätte Uber denn besser machen können oder sollen?

    Zum einen weiß ich nicht, ob die wirklich in Geldnöten stecken um das Spiel fertig zu stellen. Wobei das so abwegig nicht zu sein scheint, weil die ihren Releaseplan auch vorerst um ein halbes Jahr verreißen werden.

    Und nun? Nen Publisher reinzuholen der eigentlich nix anderes macht als für Summe X ein paar Prozente des zukünftigen Sales abzugereifen ist schwierig. Zumal die Backer das Spiel ja nicht noch einmal kaufen werden. Das gehört denen ja schon. Sprich Publisher bleiben erstmal draußen vor.

    Als nächste Option? Jetz schon den Pre-Sale einläuten, allen Backern Zugang geben hört sich im ersten Moment eigentlich ziemlich gut an. Nur würde das die Backer ebenfalls anpissen. Die einen haben damals 100$ gezahlt (eben die 82€) um vor allen anderen die Alpha zocken zu dürfen. Mit der Aussage, das die dadurch 2 Monate Vorsprung vor den Beta Spielern haben und 4 Monate vor dem regulären Release ins Game kommen. Wenn Uber jetzt quasi nach wenigen Wochen in der Alpha JEDEM für weniger Geld Zugang zum Game geben würde wäre das ein Schlag ins Gesicht eines Jeden Backers im jeweiligen Tier. Sprich denjenigen die das Game überhaupt erst ermöglicht haben. Der negative Backlash von dieser Idee würde Uber auf Jahre nachhängen und schädigen.

    Das Einzige was Uber in meinen Augen hätte besser machen können, wäre das Problem vorab mit den Backern zu kommunizieren und diese entscheiden zu lassen. Auch mit dem Damoklesschwert, das die Entwicklung eingestellt wird. Wäre das selbe bei raus gekommen, das nämlich nicht-Backer sich zum selben Preis wie die Backer in die jeweiligen Tiers einkaufen dürfen (100$ für Alpha, 60$ für Beta, und 40$ für´s finale Release) oder eben zähneknirschend und heulend (was sie gerade tun) draußen bleiben müssen.

    Das die Logik nicht dem Minecraft Model entspricht, und den heutigen Spielern, die alles sofort und am liebsten umsonst haben wollen, total gegen Strich geht ist klar. Aber ich finds gut so. Und das obwohl ich in einem der niedrigsten Tiers gebacked habe und vermutlich erst im Dezember zocken kann.

    MfG Aerouge

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